2025 - 2026
An der Seite der Ärmsten
Ansatz
ATD Quart Monde baut zunächst Vertrauen und langfristige Beziehungen zu den betroffenen Familien auf. Mobile Strassenbibliotheken dienen als niederschwellige Begegnungsorte. In der Bibliothek von Antohomadinika erhalten Kinder schulische Unterstützung und können an Bildungs- und Kulturangeboten teilnehmen. Jugendliche und junge Erwachsene werden bei ihrer beruflichen Orientierung und Integration begleitet. Spaziergänge in andere Quartiere eröffnen neue Perspektiven auf mögliche Bildungs-, Arbeits- und Lebenswege.

Wirkung
Das Projekt erreicht rund 500 direkt Teilnehmende und 22’000 indirekt Betroffene, wie Angehörige und Familie. Es stärkt Bildungschancen, Selbstvertrauen und soziale Teilhabe. Damit trägt ATD Quart Monde dazu bei, Ausgrenzung zu überwinden und langfristig bessere Lebens- und Einkommensmöglichkeiten für Menschen in extremer Armut zu schaffen.
Partner
Story

Die Geschichte von Nôrine
Im Jahr 2025 lernten wir Nôrine näher kennen, eine junge Mutter von zwei Kindern, die in einer Hüttensiedlung neben einem Müllberg lebt, nicht lesen und schreiben kann und zu Hause – wie so viele andere Frauen auch – Fussmatten aus Stoffresten und gesammeltem Plastik webt. Von dieser Tätigkeit leben die Meisten im Quartier, sie reicht im besten Fall gerade so aus, um den Reis für den Tag zu kaufen, der die Grundlage der madagassischen Ernährung bildet.
Zunächst eher zurückhaltend und skeptisch gegenüber unserem Vorschlag, an einer Ausbildung in der Werkstatt MMM (Gemeinsam lernen und sich weiterbilden) teilzunehmen, war Nôrine bereit, an einem Tag der offenen Tür «mal vorbeizuschauen». «Am Anfang war ich wirklich entmutigt bei dem Gedanken, mich an euch [die Mitarbeiter von ATD] zu wenden. Ich habe versucht, euch aus dem Weg zu gehen … Und dann ist das Schwein, das ich gezüchtet habe, gestorben: Ich hatte Zeit verschwendet, ohne auch nur den geringsten Gewinn daraus zu ziehen! Also habe ich schliesslich meine Meinung geändert und beschlossen, trotzdem vorbeizuschauen. Ohne euch wäre ich auf der Strecke geblieben: Ich konnte weder lesen noch schreiben, ich hatte keinen Identitätsausweis, ich hatte sogar die Hoffnung aufgegeben, jemals einen zu bekommen. […]“
Aufgrund dieser Umstände schloss sich Nôrine schliesslich der MMM-Werkstatt an, zusammen mit einer neuen Gruppe von Handwerkerinnen – alles Mütter in einer ähnlichen Situation –, die sich entweder auf Industrienäharbeiten, das Häkeln mit Raffia oder das Kochen spezialisieren können, um ihre Produkte meist im Hausverkauf oder im Strassenverkauf anzubieten.
Nachdem sie sich auf das Häkeln spezialisiert hatte, gelang es ihr nach sechs Monaten Ausbildung, ihre Produkte einem lokalen Unternehmen anzubieten, das für seine hochwertigen Konfektionen bekannt ist. In den ersten Monaten ihrer Ausbildung brauchte sie noch eine Zeit lang finanzielle Unterstützung und Ermutigung, um durchzuhalten, denn die Anforderungen im Atelier sind hoch: Ein Stück muss so oft neu gemacht werden, bis es perfekt ist! Heute stellt Nôrine selbst hohe Ansprüche an die Verarbeitungsqualität ihrer Arbeiten.
An ihre Anfänge zurückdenkend meint sie: «Ich habe mir immer gesagt, dass das Leben ein ständiger Lernprozess ist. Wissen hat immer einen Wert. Deshalb habe ich beschlossen, mich weiterzubilden und meine Fähigkeiten zu erweitern, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Auch wenn der Nutzen nicht sofort sichtbar ist, wird es mir in Zukunft zugutekommen. Ich hoffe, später ein Ausbildungszentrum gründen zu können, wenn ich in meine Heimatstadt zurückkehre.»
Auch wenn nicht alle beruflichen Werdegänge der Handwerkerinnen so «erfolgreich» sind wie der von Nôrine, ist die persönliche Entwicklung jeder einzelnen oft spürbar und nicht weniger wichtig.
Bilder © ATD Quart Monde Madagaskar
Vision
Elend und Ausgrenzung überwinden und Menschenwürde ermöglichen – durch Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit.
Beschreibung
ATD Quart Monde unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Stadtteilen Antohomadinika und Andramiarana in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars.

Ein Grossteil der Kinder besuchen keine Schule oder haben sie abgebrochen, was sie zu „Überlebensberufen“ wie denen ihrer Eltern führt. Als Sammler:innen auf Müllbergen leben sie mit erhöhtem gesundheitlichem Risiko und sind gesellschaftlich ausgegrenzt.
